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- Rechtsextremismus im Sport – Wachsamkeit stärken, Vereine unterstützen
Sie bringen Menschen aller Altersgruppen, Herkunft und Lebenslagen zusammen. Doch wie in allen gesellschaftlichen Bereichen zeigen sich auch im Sport Herausforderungen durch rechtsextreme Tendenzen. Diese reichen von diskriminierenden Aussagen bis hin zu gezielten Einflussversuchen auf Vereinsstrukturen.
Für den organisierten Sport in Teltow-Fläming bedeutet das: wachsam sein, Haltung zeigen und klare Regeln kommunizieren – ohne dabei den Breitensport pauschal unter Generalverdacht zu stellen.
Warum betrifft Rechtsextremismus auch den Sport?
Der organisierte Sport ist die größte zivilgesellschaftliche Bewegung in Deutschland. Seine Offenheit und Zugänglichkeit sind eine Stärke, gleichzeitig bieten sie Anknüpfungspunkte für Personen oder Gruppen, die extremistische Ideologien verbreiten möchten.
Besonders relevant sind Bereiche mit hoher Außenwirkung, starker Jugendarbeit oder langfristig gewachsenen sozialen Strukturen.
Sportvereine stehen damit nicht abseits gesellschaftlicher Entwicklungen, sondern sind Teil davon.
Woran können Vereine rechtsextreme Tendenzen erkennen?
Hinweise können u. a. sein:
- diskriminierende oder menschenfeindliche Sprache
- Auftreten mit rechtsextremen Symbolen oder Codes
- gezielte Einflussnahme auf Vereinsentscheidungen
- Versuche, Fördervereine, Jugendstrukturen oder Trainerposten zu besetzen
- Sponsoringangebote aus fragwürdigen Kreisen
Nicht jeder Verdacht bestätigt sich, aber jeder Hinweis sollte ernst genommen und beobachtet werden.
Beispiele aus der Praxis
Das wissenschaftliche Material, das der KSB zur Verfügung stellt, dokumentiert zahlreiche Situationen, in denen Vereine mit rechtsextremen Phänomenen konfrontiert wurden. Beispiele sind unter anderem:
- rechtsextreme Trainer im Jugendbereich: Ein Jugendtrainer war zugleich hochrangiger Funktionär einer extrem rechten Partei und trat gegenüber Jugendlichen politisch offen auf. Eltern meldeten den Fall dem Verein, der daraufhin reagierte.
- politische Einflussnahme in Kampfsportvereinen: In einem regionalen Kampfsportverein hatten Funktionäre einer extrem rechten Partei Positionen als Vorsitzender bzw. Kampfrichter inne. Die Vereinsstrukturen wurden so zur Normalisierung extremistischer Akteure genutzt.
- Sponsoring mit rechtsextremer Symbolik: Ein Sponsor wollte eine Werbebande mit einem neonazistischen Slogan („Jedem das Seine“) platzieren. Der Verein lehnte ab und musste anschließend zwischen öffentlicher Kritik und möglichen Bedrohungen abwägen.
- Reichsbürger-ähnliche Argumentationsmuster: Ein Vereinsmitglied verweigerte Beitragszahlungen mit Verweis auf angeblich fehlende staatliche Legitimation und versuchte, andere Mitglieder zu beeinflussen.
- extrem rechte Netzwerke im Kampfsport: In mehreren Fällen trainierten gewaltbereite Akteure oder neonazistische Gruppierungen gezielt in Kampfsportstudios, um sich körperlich und organisatorisch zu vernetzen.
Diese Beispiele zeigen: Rechtsextremismus im Sport tritt in sehr unterschiedlichen Formen auf, von individuellem Fehlverhalten bis hin zu strategischer Einflussnahme.
Wie können Vereine reagieren?
Viele Vereine haben klare Werte, die in Satzungen, Leitbildern oder Ehrenkodizes verankert sind. Diese gelten auch im Umgang mit extremistischen Haltungen. Sinnvolle Schritte können sein:
Prävention
- klare Positionierung gegen Menschenfeindlichkeit
- verständliche Regeln und Verhaltenskodizes
- Sensibilisierung von Trainer*innen und Ehrenamtlichen
- Einbindung in Kinderschutzkonzepte
Erkennen & Ansprechen
- Hinweise frühzeitig wahrnehmen
- offen, aber sachlich das Gespräch suchen
- interne Verantwortung klären (Vorstand, Schutzbeauftragte, Ansprechpartner*innen)
Handeln im Ernstfall
- dokumentieren, was vorgefallen ist
- sich Unterstützung holen (z. B. KSB, Landesfachstellen, Beratungsnetzwerke)
- ggf. Haftungs- und Schutzpflichten beachten
- bei strafbaren Handlungen: Polizei einschalten
Unterstützung durch den Kreissportbund Teltow-Fläming
Der KSB unterstützt seine Vereine aktiv:
- vertrauliche Beratung bei Unsicherheiten oder Vorfällen
- Fortbildungen zur Sensibilisierung im Rahmen des Kinderschutzes
- Hinweise zur rechtlichen Einordnung und zum Vereinsrecht
- Vernetzung mit externen Beratungsstellen und Präventionsangeboten
- Bereitstellung von Informationsmaterial
Unser Ziel ist es, Vereine zu befähigen, sicher und souverän zu handeln, sowohl präventiv als auch im Umgang mit konkreten Fällen.
Weiterführendes Material
Das umfassende Hintergrunddokument „Rechtsextremismus im Sport“ mit Analysen, Beispielen und wissenschaftlichen Einschätzungen stellen wir unter diesem Artikel zum Download bereit.
Es liefert eine vertiefte Grundlage für Vereine, die sich mit der Thematik beschäftigen möchten.
